Der Hof Duhme – Die Geschichte eines alten Mastholter Hofes

Die Geschichte des Hofes Duhme in Möse reicht weit zurück. Wann die Hofstelle genau gegründet wurde, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Nach den vorliegenden Forschungen könnten ihre Ursprünge jedoch bereits im 12. oder 13. Jahrhundert liegen. Damit gehört Duhme zu den alten Hofstellen unserer Region.
Schriftlich greifbar wird die Geschichte im Jahr 1527. In einem Grenzprotokoll tritt Johann Duhme – damals noch als Johann „Daume“ bezeichnet – als Zeuge auf. Er war zu diesem Zeitpunkt 36 Jahre alt, verheiratet und gab ausdrücklich an, auf dem Hof geboren worden zu sein. Sein Vermögen bezifferte er auf 50 Gulden. Mit dieser Erwähnung beginnt die über viele Generationen nachvollziehbare Geschichte des Hofes.
Eine Besonderheit der damaligen Zeit ist für das Verständnis der Hofgeschichte wichtig: In der Grafschaft Rietberg übernahmen Menschen, die auf einen Hof einheirateten, häufig dessen Namen. „Duhme“ bezeichnete deshalb über Jahrhunderte nicht nur eine Familie, sondern vor allem den Hof und seine jeweiligen Besitzer. So blieb der Name bestehen, obwohl sich die Familien auf der Hofstelle mehrfach änderten.
Ein bedeutender Hof in der Grafschaft Rietberg
Der Hof Duhme gehörte zur Bauerschaft Möse und damit zur damaligen Grafschaft Rietberg. Die bäuerlichen Hofstellen waren je nach Größe und Bedeutung in verschiedene Klassen eingeteilt. Es gab unter anderem Vollmeyer, Halbmeyer, Zweitäger und Eintäger. Mit diesen Einstufungen waren unterschiedliche Abgaben und Dienste für den Grafen verbunden. Ein Vollmeyerhof musste beispielsweise mit vier Pferden Spanndienste leisten.
Die historische Untersuchung bringt Duhme außerdem mit der alten Bezeichnung „Sattelmeyer“ in Verbindung. Zu dieser Gruppe gehörten besonders alte und größere Höfe, die ursprünglich sogar in der Lage sein mussten, einen berittenen und ausgerüsteten Mann für den Landesherrn zu stellen. Die genaue Einstufung des Hofes veränderte sich allerdings im Laufe der Jahrhunderte. Später ist Duhme eindeutig als Vollmeier- beziehungsweise Vollspannhof überliefert.
Das Leben der Bauern war eng mit der gräflichen Herrschaft verbunden. Bei einer Hofübernahme oder Heirat wurde häufig ein sogenannter Weinkauf fällig. Auch bei Todesfällen mussten erhebliche Abgaben gezahlt werden. Hinzu kamen Steuern sowie Hand- und Spanndienste.
Gerade diese Verpflichtungen sind für die heutige Heimatforschung von großem Wert: Die gräflichen Rentrechnungen, Eheverträge und Verwaltungsakten dokumentieren zahlreiche Ereignisse auf dem Hof und ermöglichen einen ungewöhnlich detaillierten Blick auf das Leben seiner Bewohner.
Unruhige Zeiten im 16. Jahrhundert
Das 16. Jahrhundert brachte auch für die Menschen auf dem Hof Duhme große Veränderungen. 1557 wurde die Burg Rietberg durch Truppen des Niederrheinisch-Westfälischen Kreises erobert. Hintergrund waren die Auseinandersetzungen Graf Johanns II. von Rietberg mit seinen Nachbarn. Bei der Eroberung wurden viele ältere Akten vernichtet. Deshalb sind die Nachrichten über zahlreiche Höfe vor dieser Zeit nur lückenhaft erhalten.
Neben Krieg und Pest gehörten auch die Hexenverfolgungen zu dieser Epoche. Davon war der Hof Duhme unmittelbar betroffen. Gertrud Duhme wurde in einem Hexenprozess angeklagt; ihr Vernehmungsprotokoll ist bis heute erhalten. Rund ein Jahrhundert später findet sich mit Anna Duhme erneut eine Bewohnerin des Hofes unter den als Hexen verbrannten Menschen der Grafschaft.
Trotz der schwierigen Zeit wurde der Hof weiterentwickelt. Bereits für 1575 ist ein Hausbau durch Johann Duhme dokumentiert. Ob damit tatsächlich ein neues Haupthaus oder möglicherweise eine weitere Duhme-Hofstelle entstand, lässt sich heute allerdings nicht mehr eindeutig klären.
Der Dreißigjährige Krieg und der Wiederaufbau
Auch der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 hinterließ in Westfalen tiefe Spuren. Viele Höfe wurden verwüstet oder mussten neu besetzt werden. Die Überlieferung zum Hof Duhme ist in dieser Zeit ebenfalls lückenhaft.
1644 starb Evert Duhme. Bereits im folgenden Jahr heiratete Otto Rotjacob seine Witwe und übernahm die Bewirtschaftung. Dass ein Mann von einer deutlich kleineren Hofstelle auf einen Vollmeierhof einheiraten konnte, zeigt, wie außergewöhnlich die Situation gegen Ende des Krieges war. Entscheidend war offenbar, möglichst schnell wieder einen leistungsfähigen Bauern für den Hof zu finden.
Nach Kriegsende begann der Wiederaufbau. 1668 ließ die Rietberger Regierung sämtliche Höfe der Grafschaft ausführlich erfassen. Dokumentiert wurden Bewohner, Ländereien, Schulden und Guthaben. Dadurch besitzen wir heute einen besonders guten Einblick in die damaligen Verhältnisse.
Das Haus von 1702
Ein besonders bedeutendes Kapitel begann 1694. Nach dem Tod Henrich Duhmes heiratete seine Witwe Anna Wiedfeld den aus Mastholte stammenden Caspar Westerströer. Er kam von einer Halbmeierstätte und stieg durch die Heirat auf den Vollmeierhof Duhme auf.
1702 ließen Caspar und Anna ein neues Haus errichten. Die Hausinschrift ist überliefert und nennt beide Bauherren:
„Wer auff Gott vertrawtt der hadt woll gebawtt im Himmel und auff Erden …“
Die Inschrift dokumentiert zugleich, dass Caspar Westerströer nun „Dume“ und Anna Wiedfeld „Dumens“ genannt wurden – ein schönes Beispiel für die Bedeutung des Hofnamens.
Ein Hausbau stellte damals eine enorme wirtschaftliche Leistung dar. Kapital und Arbeitskraft eines Hofes wurden dadurch über Jahre gebunden.
Verschuldung und Zwangsverwaltung
1728 wurde erneut am Gebäude gearbeitet. Zwei Jahre später nahm Johann Henrich Duhme beim Stift Lippstadt 200 Reichstaler Kredit auf, um den Neubau fertigzustellen. Offenbar wurden dabei auch Teile älterer Gebäude wiederverwendet.
In den folgenden Jahren geriet der Hof jedoch in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten. Bei einer Untersuchung im Jahr 1740 stellte die Rietberger Regierung fest, dass von 48 Muddesaat Land lediglich zwölf selbst bewirtschaftet wurden. Die Schulden hatten die enorme Summe von 624 Talern erreicht. Auf dem Hof waren nur noch zwei Pferde und eine Kuh vorhanden.
1743 wurde Duhme schließlich als überschuldeter Hof geführt, ab 1744 sogar zeitweise unter Zwangsverwaltung gestellt. Erst die folgende Generation konnte die Lage wieder stabilisieren. 1749 übernahmen Anna Maria Elisabeth Duhme und ihr aus Westenholz stammender Ehemann Johann Heinrich Köttmar den Hof und führten ihn aus der Zwangsverwaltung heraus.
Vom alten Landrecht in eine neue Zeit
Im Laufe des 18. Jahrhunderts veränderten sich die Lebensbedingungen. Nach dem Siebenjährigen Krieg wurden die hohen Abgaben, die bisher insbesondere bei Todesfällen oder Heiraten anfielen, innerhalb der Grafschaft zunehmend auf regelmäßige jährliche Zahlungen umgelegt. Für die Bauern bedeutete dies mehr Planungssicherheit.
1781 entstand auf Duhmes Hof eine neue Leibzucht, also ein separates Gebäude für die ältere Generation. Solche Leibzuchten ermöglichten es dem bisherigen Bauern, den Hof an den Anerben zu übergeben und dennoch auf der Hofstelle wohnen zu bleiben.
Die zahlreichen Eheverträge dieser Zeit zeigen eindrucksvoll, wie wichtig Heirat und Erbrecht für den Fortbestand eines Hofes waren. Mitgiften bestanden nicht nur aus Geld, sondern beispielsweise auch aus Pferden, Kühen, Rindern, Hausrat, Brautwagen und Kleidung. Gleichzeitig mussten Geschwister des Hoferben abgefunden werden. Ein großer Hof bedeutete deshalb keineswegs automatisch Wohlstand ohne Sorgen.
Das 19. Jahrhundert
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts ging die alte Ordnung der Grafschaft Rietberg zu Ende. An den Aufzeichnungen des Hofes lässt sich dieser politische Wandel unmittelbar nachvollziehen.
Elisabeth Duhme, geborene Laumeyer, wurde 1812 als erste Bewohnerin des Hofes neben dem Kirchenbuch auch in den neu eingeführten Zivilregistern erfasst. Sie war noch im Heiligen Römischen Reich geboren worden und starb im Königreich Westphalen. Wenig später gehörte die Region zum Königreich Preußen.
1818 wurde das Haus erneut aufgebaut. Eine erhaltene Inschrift berichtet davon, dass ein vorheriges Gebäude durch Sturm zerstört worden war und mit „Gottes und Menschen Hülfe“ wiedererrichtet wurde.
Wie groß der Hof damals war, zeigt die Urkarte von Möse aus dem Jahr 1821: Zur Hofstelle Duhme gehörten insgesamt 100 Morgen, 71 Ruthen und 69 Fuß Land. Die historische Hofstelle befindet sich an der heutigen Lippstädter Straße 6.
Die letzten landwirtschaftlichen Generationen
1890 heiratete Caspar Anton Große-Wietfeld aus Benteler Catharina Duhme und wurde dadurch Hausherr auf dem Hof. Entsprechend der alten Tradition nahm auch er den Hofnamen an und führte fortan die Bezeichnung „Große-Wietfeld genannt Duhme“.
Sein Sohn Caspar Große-Wietfeld genannt Duhme übernahm den Hof 1939 gemeinsam mit seiner Frau Hedwig Dirkwinkel. Da das Ehepaar kinderlos blieb, ging das Anwesen 1965 an seine Nichte Barbara Nordhorn, geborene Große-Wietfeld.
Caspar und Hedwig Große-Wietfeld genannt Duhme waren die letzte Generation, die den Hof Duhme landwirtschaftlich bewirtschaftete.
Über viele Jahrhunderte erzählt die Geschichte des Hofes damit weit mehr als die Abfolge seiner Besitzer. Sie berichtet von Krieg und Wiederaufbau, Hexenverfolgung und Krankheit, Heirat und Erbschaft, wirtschaftlichem Erfolg und Verschuldung – und vom Bemühen vieler Generationen, die Hofstelle trotz immer neuer Herausforderungen zu erhalten.
Der Hof Duhme ist damit ein eindrucksvolles Zeugnis der Geschichte von Möse und Mastholte und zugleich ein Beispiel dafür, wie sich die großen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen vergangener Jahrhunderte im Leben eines einzelnen Bauernhofes widerspiegeln.
Die Geschichte des Hofes Duhme wurde im Auftrag der Stiftung Duhmes Hof von dem Genealogen Wilhelm Krüggeler erforscht und ausgearbeitet. Ergänzungen stammen aus dem Archiv des Heimatvereins Mastholte; die Zusammenfassung erstellte Gisbert Schnitker.
Wer noch tiefer in die Geschichte des Hofes Duhme eintauchen möchte, kann die ausführliche Broschüre mit zahlreichen weiteren Informationen, historischen Dokumenten, Familiengeschichten und Abbildungen hier vollständig als PDF herunterladen.

